Mehrweg lohnt sich auch für Mikrobrauereien
Das zeigt Chäsi Bräu aus dem Berner Mittelland. Seit ihrer Gründung 2017 setzt die Brauerei zu 100 % auf Mehrweg und wäscht ihre Flaschen selbst. Roland Häsler und Ruth Bäumler entwickelten dafür eigens eine Flaschenspülung. Heute reinigen sie ihre Flaschen in einer professionellen Waschmaschine. Und bald schon in Kooperation mit anderen?
Gegründet wurde Chäsi Bräu in der alten Käserei in Wiggiswil. Heute befinden sich die Räumlichkeiten der Brauerei in Iffwil. Die beiden Eigentümer brauen in ihrer Freizeit. Nichtsdestotrotz produzieren sie stolze 2500 Liter Bier pro Jahr, welche sie in Mehrweg-Bügelflaschen abfüllen. Das schätzt ihre Kundschaft sehr, wie Roland Häsler weiss:
«Die Leute sagen zu 80 %: Wow, Bügelflaschen! Das hat fast niemand mehr. Das finde ich super.»
Die Reaktionen der Berufskolleg/innen fallen hingegen oft weniger enthusiastisch aus. Viele Kleinbrauer seien der Meinung, dass die Arbeit mit Mehrweg-Flaschen aufwändiger und teurer sei. Roland Häsler ist jedoch überzeugt, dass das nicht stimmen kann und rechnet vor: Für das Waschen der jährlich benötigten 5500 – 6000 Flaschen benötige er gerade mal 35 Stunden. Dies zahle sich aus, weil er Kosten für die Anschaffung neuer Flaschen spart und Kundschaft bindet.
Mehrweg dank effizienter Reinigung und innovativer Etikettierung
Mit dem in den Anfangszeiten der Brauerei entwickelten Pressluftsystem war eine solche Effizienz nicht möglich. Denn damit mussten die Lauge und das Spülwasser einzeln in jede Flasche gespritzt werden. Die Anschaffung einer Jemi Spülmaschine vereinfachte jedoch alles. Heute waschen die beiden zwanzig Flaschen in nur sechseinhalb Minuten – diese Zeit reicht gerade, um die sauberen Flaschen aus dem Waschkorb auszuräumen und die nächste Ladung dreckiger Flaschen vorzubereiten.
Die Jemi Spülmaschine vereinfachte alles.
Zusätzlich trägt die innovative Etikettierung der Chäsi Bräu-Bierflaschen dazu bei, dass sich Mehrweg für das Unternehmen auch finanziell rechnet. Chäsi Bräu arbeitet mit Daueretiketten, die frühestens nach zehn Umläufen oder nach einem Jahr – wenn sie langsam vergilben – ersetzt werden müssen. Die Etiketten zeigen ausschliesslich das Logo der Brauerei. Alle weiteren Informationen zum Bier finden die Kund/innen auf einer Banderole, die am Flaschenhals befestigt ist. Durch diese Etikettierung sparen Ruth Bäumler und Roland Häsler viel Zeit, denn die Banderole ist im Gegensatz zu einer neuen Etikette mit einem Bostitch schnell an der Flasche befestigt.
Und Mehrweg auch dank künftiger Zusammenarbeit?
Seine positiven Erfahrungen mit Mehrwegflaschen teilt Roland Häsler gerne. Denn er ist der Meinung, dass die Kleinproduzent/innen der Schlüssel zu mehr Mehrweg beim Schweizer Bierangebot sind:
«Vor allem denke ich, dass man die Kleinen abholen sollte. Klar, die Grossen dann am Schluss schon auch, aber ich denke die Kleinen sollten Priorität haben.»
Roland Häslers Ziel ist es dabei nicht nur sein effizientes System weiteren Mikrobrauern zu empfehlen. Vielmehr hofft er auf eine engere Zusammenarbeit zwischen den regionalen Kleinbrauereien. Denn obwohl sein Mehrwegsystem gut funktioniert, wünscht er sich mehr: Dass Mehrweg wieder populärer wird und er eines Tages seine Bügelflaschen zusammen mit anderen Brauereien in der Region waschen lassen kann.
Text: Michael Müller